9/2017 Biennale Countdown

Das Superkunstjahr läutet seinen Countdown ein: Nach Athen, Basel, Berlin, Istanbul, Kassel, London und Münster, begleiten wir Vesna Tornjanski von VTPR public relations nach Venedig. Bewusst antizyklisch und antitouristisch bewegen wir uns „beside the Biennale“ und empfehlen 5x Schauplätze abseits der überrannten Arsenale und Giardini. Die weltweit größte Messe für zeitgenössische Kunst läuft nur noch bis zum 26. November 2017.

Nicht durchdrehen bei den Hotelpreisen

Eine Stadt wie Venedig hat immer Hochsaison. Auch am Lido. Aber dort sind die Preise nicht ganz so „gewaschen“ wie rund um die Rialtobrücke. Zu den Giardini sind es nur zwei Stationen mit dem öffentlichen Vaporetto und zu den Arsenale ist es eine Station mehr. Die Bars und Restaurants sind weniger überlaufen ebenso wie der eigentliche Strand, der Namensgeber des Lido. Unser Tipp: Zur Mittagszeit eine kleine Kunstpause am Lido einplanen, Strandspaziergang inklusive.

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Kunstpause am Lido, Copyright: VTPR Public Relations

Gold für Deutschland

Dass Anne Imhof den goldenen Löwen am Ende abgeräumt hat, ist kein Geheimnis. Ob ihre Performance namens „Faust“ im deutschen Pavillion „zu Recht das große Ding ist“ (Die Welt, 5/2017), kann an dieser Stelle nicht bewertet. Zu groß war der Andrang auf ihre, laut Biennale-Jury, „kraftvolle und verstörende Arbeit“, die täglich nur von 11-12:30 Uhr performed wird. Zur Videodatei der TAGESSCHAU 5/2017.

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Menschenandrang vor dem deutschen Pavillon, Copyright: VTPR public relations

 

Unser Hidden Champion befindet sich weit abseits von den Länderpavillons und der ehemaligen Schiffswert. Streng genommen gehört die Fondazione Prada nicht einmal zum offiziellen Biennaleprogramm. Ansonsten hätte DIE ZEIT einen weiteren goldenen Löwen an Alexander Kluge, Thomas Demand und Anna Viebrock vergeben. Kein Wunder, funktioniert doch jeder Künstler schon allein für sich, sind sie zu dritt „dermaßen überzeugend“ (Die Zeit, 5/2017), dass man Schriftsteller, Filmemacher, Fotograf und Bühnenbilderin nicht wieder trennen möchte. Achtung: Eintritt nicht im Biennale-Preis enthalten. Aber es lohnt sich. Am besten gleich zwei Stunden Aufenthalt einplanen.

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Thomas Demand: Control Room (2011), Copyright: VTPR Public Relations

Sisyphus bringt Licht ins Dunkel

Der Tag, an dem die Götter Sisyphus für seine List bestraften, bringt die Sinnfrage bei jeder Tätigkeit erneut ins Spiel. Sieben Monate lang wird ein Lichtquadrat stündlich „in Form“ gefegt (ART Biennale-Spezial 2017) . Nach 10 Minuten ist die Performance unter dem Lichtkegel beendet. Es bleibt ein Stück „Unendlichkeit“ (SPIEGEL 5/2017), die allein der wissentlichen Tatsache der Wiederholung geschuldet ist.

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Edith Dekyndt: One thousands and one nights (2016), Copyright: VTPR public relations

 

Der Mann mit der Axt

Wie eine winzige Axt eine ganze Welt in Trümmern legen kann, zeigt uns Liliana Porter aus Buenos Aires. Ihre Komposition erinnert uns an Gullivers Reisen und zwingt uns die Perspektive vom Riesen zum Zwerg zu wechseln. Wir sehen lebensgroße Vitrinen in Trümmern, umgekippte Stühle und dann wieder Miniaturen von Menschen und Einrichtungsgegenständen. Die Lust am Chaos, alles „kurz und klein zu schlagen“, gefällt auch der NZZ 5/2017. Wer mehr von Porters Minifiguren sehen und kaufen will, wird bei der Onlinegalerie ARTSY schnell fündig.

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Liliana Porter: Mann mit Axt und andere kleine Situationen (2017), Copyright: VTPR

Tagestrip von Verona: Vom Gardasee aus ist es nur ein Katzensprung nach Venedig. Wer einen Tagesausflug zur Biennale plant, ist in 1-2 Std. am Ziel. Ohne Umsteigen nach Venezia S. Lucia mit der DB, ÖBB und Trenitalia täglich von Rovereto, Verona oder Desenzano. Preiswerte Hoteltipps und hilfreiche Hinweise zur Anreise unter Gardasee.de.