10/2016 Selten, still und entlegen: Designhäuser in Kroatien

 

Es gibt sie noch, die 20-Seelendörfer, abseits von ausgetretenen Touristenpfaden, mit unverbautem Blick auf die Kvarner Bucht. An der Westküste der Insel Cres, mit „Z“ wie Zett gesprochen, und nicht etwa mit „K“ wie Kresse. Dort wo sich schon zu Titos Zeiten, Kroatiens Elite verschanzt hat, berichtet Vesna Tornjanski von VTPR public relations über zwei Schwestern und ihrem ungewöhnlichen Architekturprojekt namens Sisters Homes. Ein Rückzugsort mit großen Aussichten und kleinen Nebenhandlungen.

„Bei meiner ersten Kaufanfrage, hat mich Guerino einfach von der Terrasse gejagt“, erinnert sich Ingrid noch gut. Guerino Kučić, der einstige Inhaber mit italienischen Wurzeln war sehr stolz auf sein „kleines Paradies“, die deutsche Übersetzung für seine legendäre Konoba namens „mali raj„. Stolz auf seine Lokalprominenz aus Musik, Kultur und Politik, die sich gerne auf ein Gläschen Wein unter seinen Weinreben traf. Stolz auf seine fünf Gerichte, die nur von 18 bis 23 Uhr serviert wurden. Stolz auf seinen Grillteller mit knusprigem Spanferkel und saftigem Lamm.

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Ingrid Stanković

Vidovići heißt der Ort, wo viel Wert auf ungestörte Privatsphäre gelegt wird, und sich daher nie mehr als zwanzig Gäste auf der mittelalterlichen Steinterrasse der Konoba einfanden. Eine schmale Landstraße, inzwischen asphaltiert, führt mehr Radsportler als Autos auf knapp 300 Meter oberhalb von Martinšćica. Geduld und Vertrauen sind gefragt, um ein Kleinod wie das kleine Bergdorf zu entdecken und die Herzen der Bewohner zu erwärmen. (Das Reiseradio vom Bayerischen Rundfunk war zu Gast auf Cres, 4.9.2016)

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Ausblick Vidovići

Ihren guten Blick bewiesen die Zwillinge Ingrid und Nataša bereits auf der Nachbarinsel Lošinj, als sie ein 100 Jahre altes Arbeiterhaus vor dem Abriss bewahrten. Wieder hatte es ihnen eine kleine Siedlung im Norden angetan: Sveti Jakov (Hl. Jakob) grenzt an das antike Städtchen Osor, das durch eine manuell bewegte Drehbrücke die beiden Inseln Cres und Lošinj verbindet. Wer schon die Inselseite gewechselt hat, dem sei ein spannendes Museumsprojekt in der Stadt Mali Lošinj empfohlen. Es birgt den neuesten archäologischen Fund eines griechischen Athleten, der 1999 am Meeresgrund geborgen wurde. Es ist das einzige Exponat in dem modernen Museumsbau, das spektakulär inszeniert wird. Anmeldung erforderlich. Öffnungszeiten sind Di – So, 10-13 Uhr und 15-20 Uhr, montags geschlossen.

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Alte Bausubstanz von 1833

Dass die Designschwestern nach weiteren Objekten in möglichst abgelegenen Landstrichen Kroatiens suchten, um sie stilvoll „aufzumöbeln“, sprach sich schnell herum. Rein äußerlich unterscheiden sich ihre Sisters Homes kaum von den Nachbarbauten, schlicht und kompakt gehalten. Zu stark weht die Bora hier, um auf den bewährten Betonbau zu verzichten. Allerdings wird der Betoneinsatz im Innenraum konsequent fortgesetzt. Angefangen beim Fußboden über den Küchenblock und Waschtisch bis hin zur freischwebenden Wendeltreppe zieht sich ein samtweich polierter Beton durch den gesamten Wohnraum. Geschmackvoll kombiniert mit Elementen aus antikem Holz, buntem Glas und getrockneten Kräutern, verliert der Naturstein seine optische Kälte und wird wohnlich.

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Vidovići No.5

Neben den Feriendomizilen Sv. Jakov 59 und Vidovići 5, 9 und 11, sind bereits weitere Designobjekte in Planung (Zum Video). Dazu muss das gesamte Baumaterial erst sehr aufwändig über Wasserwege auf die Insel geschifft und die besten Handwerker des Landes zusammengerufen werden. Fraglich ist noch, ob Ingrid noch einen Konoba-Nachfolger für ihr „kleines Paradies“ findet. Unter den Insulanern gibt es noch keine Freiwilligen, aber vielleicht hat ja ein Anwärter aus dem Ausland ein spannendes gastronomisches Konzept und einen guten Grund, seinen Sommer auf der Insel zu verbringen.

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Vidovići 11